Zähle Wellen pro Zentimeter, prüfe Rücksprung und achte auf Faserstärke in Mikron: weniger für Halsnähe, mehr für robuste Kanten. Reibe eine kleine Strähne trocken zwischen den Fingern; der Klang verrät Sprungkraft. Notiere Eindrücke im Heft, denn sensorische Urteile werden zur stillen Landkarte für stimmige Materialentscheidungen.
Sanftes Waschen erhält den natürlichen Fettfilm, der Spinnfluss und Witterungsschutz verbessert. Verwende handwarmes, ruhendes Wasser mit etwas Olivenseife, wechsle Bäder ohne Rühren, nur mit vorsichtigen Hebebewegungen. Der Moment, wenn das Wasser klar bleibt und die Locken noch Leben besitzen, markiert den perfekten Übergang zur Kardierung.
Teile das Vlies in Rücken, Schulter, Bauch und Keulen, lege knotige Partien beiseite. Stapel nach Länge und Gleichmäßigkeit, beschrifte Tüten mit Datum und Weide. Ein gleichmäßiger Faserfluss verhindert Brüche, schont Nerven am Spinnrad und ermöglicht Garne, die später Pflanzentöne nuanciert und leuchtend aufnehmen.
Ein Vorbad mit Alaun, nach Gewicht der Faser exakt berechnet, öffnet Bindungsstellen, ohne Griff zu verhärten. Weinstein glättet, verteilt, verhindert Flecken. Lasse Fasern im Bad zur Ruhe kommen, nicht hastig bewegen. Beim Herausnehmen glänzt das Vlies wach, bereit, Pflanzensprech kunstvoll aufzunehmen und später lebendig weiterzuerzählen.
Eisenmodifikationen vertiefen Gelb zu Oliv, Rot zu Pflaume, Blau zu Mitternacht. Doch Maß ist alles: zu viel schwärzt und schwächt Fasern. Setze kurze Nachbäder ein, protokolliere Minuten, vergleiche Probelappen. Der schönste Moment entsteht, wenn ein goldener Resedaton plötzlich Moos haucht und Landschaft unter Fingern nachzeichnet.
Gebirgsquellen sind weich und freundlich zu zarten Tönen; Leitungswasser kann mit Kalk feine Farben stumpfen. Entkalke Töpfe, siebe Partikel, justiere pH mit Essig oder Soda. Einmal färbten wir am Bach; das leise Rauschen half beim Timing, und die Farbe schien den Kies mit Dankbarkeit zu spiegeln.
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